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DIE ARKTISCHE LEINWAND: GRÖNLAND IM FILM

 
 

»Das Wort Grönland bedeutete Geheimnis. Geheimnis und Taumel« – heißt es 1925 in einem Roman des französischen Surrealisten Philippe Soupault. Seither sind immer wieder Filmemacher dorthin aufgebrochen, um das »Geheimnis« zu lüften und den »Taumel« zu erleben. Von frühen »Eskimostudien« bis in die grönländische Gegenwart erstreckt sich diese Retrospektive – veranstaltet in Zusammenarbeit mit den 51. Nordischen Filmtagen Lübeck.

  Das Eskimobaby
  D 1916/17, Walter Schmidthässler 62 min.
Der erste Spielfilm, der sich mit grönländischer Kultur auseinandersetzte: Vom Grönland-Forscher Knud nach Europa verfrachtet, bringt eine Eskimofrau (Asta Nielsen) den »zivilisierten« Haushalt ihres Gastgebers durcheinander.
Stummfilm mit Live-Musik von ElbtonalPercussion: Die vier Schlagzeuger der bekannten Hamburger Formation (Jan-Frederick Behrend, Andrej Kauffmann, Stephan Krause, Wolfgang Rummel) werden die mitreißende Dynamik der turbulenten Komödie musikalisch noch verstärken.
Vorfilm: Knud (DK 1966, Jørgen Roos, 32’): Das Leben des Grönland-Forschers Knud Rasmussen (1879-1933) in einer biografischen Montage, untermalt von Trommeltänzen und Gesängen.
5.11. 20.00 Live-Musik: ElbtonalPercussion

  Palos Brautfahrt • OF/Frz. UT
  DK 1934, Friedrich Dalsheim 80 min.
Ein ethnografischer Spielfilm aus Ostgrönland, nach einem Drehbuch von Knud Rasmussen. In seinem Zentrum steht eine Liebesgeschichte: Zwei Männer, Palo und Samo, kämpfen um die Gunst Navaranas, des schönsten Mädchens von Ammassalik. Mit Laien an den Originalschauplätzen gedreht..
6.11. 17.00

  Sermiligaaq 65°54’N, 36°22’W • OmU
  D 2008, Anni Seitz, Sophie Elixhauser 62 min.
Ein Ort im kargen Ostgrönland: Innerhalb weniger Generationen hat sich hier die Moderne mit Helikoptern, Fernsehanschluss und Alkohol eingestellt. Der Film nimmt sich Zeit für einen genauen Blick auf das vermeintliche Ende der Welt.
Vorfilm: Faith, Hope and Greenland (DK 2009, Ivalo Frank, 30’): Vier kulturell engagierte Großstädter in Nuuk: eine Fotografin, eine Schauspielerin, ein Rapper und ein Filmproduzent.
6.11. 19.00 Zu Gast: Anni Seitz, Sophie Elixhauser / Ivalo Frank

  Zero Kelvin • OmU
  Norwegen 1996, Hans Petter Moland 113 min.
Ein arktischer Psycho-Thriller mit Stellan Skarsgård, angesiedelt unter europäischen Pelztierjägern in Ostgrönland 1928. Nach einem Roman des Dänen Peter Tutein, der in den 20er Jahren mehrere Winter in Grönland verbrachte. Auf Spitzbergen gedreht.
6.11. 21.15

  Ich erinnere ... Erzählungen aus Grönland • OF/Engl. UT
  DK 2002, Karen Littauer 72 min.
Eine »Oral History«: 14 alte Grönländer erzählen von Begebenheiten ihrer Kindheit und Jugend. Bilder aus dem Alltag der Inuit vermitteln ein vielschichtiges Porträt grönländischer Tradition und Kultur, das auf die Bedeutung mündlicher Überlieferung für die Identitätsbildung hinweist.
7.11. 19.00

  Tukuma • OF/Engl. UT
  DK 1984, Palle Kjærulf-Schmidt 100 min.
Ein »Roadmovie« ohne Straßen: Ein junger Däne reist auf den Spuren seines tödlich verunglückten Bruders nach Grönland und findet durch die Begegnung mit den Inuit zu sich selbst. Mit Rasmus Lyberth, dem populärsten Sänger Grönlands.
7.11. 21.15

  Qivitoq • OF/Engl. UT
  DK 1956, Erik Balling 118 min.
Ein Liebesmelodram in sommerlicher Landschaft. Eine Lehrerin aus Dänemark besucht ihren Verlobten in Grönland, einen Arzt, der hier jedoch eine neue Freundin gefunden hat. Die Bekanntschaft mit einem dänischen Kaufmann und den Grönländern verändert das Leben der Touristin tiefgreifend.
9.11. 17.00

  Inuit • OmÜb
  DK 1940, Jette Bang 76 min.
Ein ethnografischer Dokumentarfilm, der erste überhaupt in Farbe. Gedreht 1938/39 von der dänischen Fotografin Jette Bang (1914-1964). Das faszinierende Zeugnis einer nach dem Zweiten Weltkrieg verschwundenen Kultur und traditionellen Lebensweise.
10.11. 17.00

  Jørgen Roos zeigt Grönland • OmÜb
  Ein Kurzfilmprogramm.: Sozialreportagen über das moderne Grönland von dem bedeutendsten dänischen Dokumentarfilmer: Sisimiut (1966, 30’), Eine Robbenfängerfamilie im Thule-Distrikt (1967, 20’), Siebzehn Minuten Grönland (1967, 17’), Ultima Thule (1968, 26’).
11.11. 17.00

  Die Obrigkeiten sagten Stop • OmÜb
  Grönland 1972, Per Kirkeby, Arkaluk Lynge 92 min.
Nach Schließung einer Kohlemine werden die Arbeiter umgesiedelt. – Grönland, mit den Augen eines engagierten Künstlers gesehen. Per Kirkeby, Jahrgang 1939, hat als junger Geologe und auch in späteren Jahren viel Zeit auf Grönland verbracht. Sein Co-Regisseur wurde als grönländischer Politiker bekannt.
11.11. 19.00

  S.O.S. Eisberg
  D 1933, Arnold Fanck 102 min.
Leni Riefenstahl und der Flieger Ernst Udet machen sich nach Grönland auf, um einen verschollenen Polarforscher zu finden. Nicht nur er, sondern noch eine weitere Suchmannschaft harrt unterdessen auf einem wankelmütigen Eisberg aus. Visuell noch immer ein Highlight des eisigen Genres!
12.11. 17.00

  Milak, der Grönlandjäger
  D 1927, Georg Asagaroff, Bernhard Villinger 90 min.
Ein arktischer Abenteuerfilm. »Nach wahren Begebenheiten« gedreht auf Grönland. Das Drama einer Polarexpedition, die sich unter der Führung eines Inuit einen Wettlauf mit amerikanischen Konkurrenten liefert.
Mit Live-Musikbegleitung durch das Werner-Loll-Quartett. Werner Loll (Klavier), Ralf Lentschat (Trompete, Flügelhorn), Volker Linde (Bass, Akkordeon, Laute) und Söhnke Liethmann (Percussion) bereichern das arktische Drama um wohltemperierte Sounds.
13.11. 20.00 Live-Musik: Werner-Loll-Quartett